Kilometerlange Sandstrände, atemberaubende Steilküsten und Sonnenuntergänge wie aus dem Bilderbuch. Die Algarve ist die südlichste Region Portugals und das Ziel unserer aktuellsten Duftreise. Die Wellen sind zu unserer Reisezeit oftmals recht hoch, aber bei dem flachen Einstieg in das erfrischende Nass ist das kein Problem. Jeden Tag suchen wir uns einen anderen Strand aus und ziehen oft nur mit Sonnenschirm und Badesachen im Rucksack los. Auch botanisch ist der Landstrich Algarve eine Duft-Reise wert.

 

 

Die Bäume der Algarve

Auf der Straße N267 von Aljezur nach Monchique biegen wir kurz hinter dem kleinen Örtchen Marmelete zum Berg Picos ab. Dort erklimmen wir seine 574 Meter. Ich war noch nie in Australien, aber ich stelle es mir genauso vor. Wir befinden uns in einem dichten Eukalyptuswald, auf dem Boden wachsen Farne und wilde Brombeeren, ein leichter Duft von Eukalyptus liegt in der Luft. Die bis zu 40 Meter hohen Eukalyptusbäume (Eucalyptus globulus oder camaldulensis) werden in Portugal für die großflächige Gewinnung von Zellulose für die Papierherstellung angepflanzt. Ursprünglich kommen die Bäume aus Australien wo es über 700 verschiedenen Eukalyptusarten gibt. Leider ist in Portugal nur noch wenig von der ursprünglichen Natur übrig. Wie auch auf Madeira, wurden viele der ursprünglichen Bäume für die Seefahrt gerodet und fremde Pflanzen aus neu erschlossenen Welten mitgebracht und angesiedelt. So kam auch der Eukalyptusbaum aus Australien an die Algarve. Diese Myrtengewächse, zu denen der Eukalyptus gehört, sind sehr schnell wachsende Bäume, die jedoch sehr viel Wasser ziehen. Dies ist ein Problem, denn eigentlich spielen in der trockenen Landschaft der Algarve die nutzbaren Bäume eine große Rolle, die ohne Bewässerung auskommen, sobald sie einmal angewachsen sind. Die Eukalyptusplantagen sind ein Grund für die häufigen Waldbrände im Sommer, denn das ätherische Öl ist leicht entzündlich. Die traditionellen Wälder aus Kork- und Steineichen, aus Johannisbrot- und Kastanienbäumen und vielen weiteren brennen hingegen selten. In der Aromatherapie ist das ätherische Öl wiederum von großem Wert, es ist der bekannte Klassiker bei Erkältungskrankheiten.

Typisch für den Mittelmeerraum ist der Mandelbaum. Ursprünglich kommt der Prunus dulcis, wie er mit botanischen Namen heißt, aus Südwestasien, doch er wird in Portugal seit rund 4.000 Jahren kultiviert. Im Februar bezaubert er die Landschaft mit seinen zarten rosafarbenen oder weißen Blüten. Im August und September werden die Mandel geerntet, indem die Früchte heruntergeschlagen werden. In der Aromatherapie verwenden wir das fette Öl der Mandelkerne als Basisöl für die Anwendung von ätherischen Ölen auf der Haut.

Für ein sinnlich anregendes Körperöl mischst Du in 50 Milliliter Mandelöl und 5 Tropfen Orangenöl und 2 Tropfen Vanille miteinander.

Orangenöl ist übrigens weltweit das am häufigsten produzierte ätherische Öl. Die Orangenbäume (Citrus sinensis) wurden im 16. Jahrhundert in der Ost-Algarve und in der etwas weiter östlich liegenden Region Silves angesiedelt. Hier gibt es große Orangenplantagen. Die Erntezeit ist von Dezember bis Juni. Mehr frisches Wissen über die Zitrusöle findest Du im Artikel „Zitrusparadies und die Orangen von Sóller auf Mallorca“.

Ein weiterer Klassiker des Mittelmeerraumes ist der Olivenbaum (Olea europaea. Er wurde von den Arabern an die Algarve gebracht. Diese Bäume können bis zu 2.000 Jahre alt werden. Nach der Blütezeit im Mai und Juni werden die Früchte ab Oktober bis Januar geerntet. Wirtschaftlich scheint die Ölgewinnung an der Algarve keine große Rolle zu spielen. Dennoch geben wir Dir den Tipp: Kaufe im Supermarkt das Olivenöl aus der Region. Es ist deutlich aromatischer und fruchtiger als die ebenfalls oft angebotenen raffinierten Billig-Olivenöle. In der Aromatherapie verwenden wir das Olivenöl für die Nagel- und Haarpflege, zudem ist es ein leicht schmerzlinderndes Basisöl.

 

 

Pizza mit Erdbeeren und ein Tipp für Vegetarier

Auf der N120 Richtung Lissabon fahren wir einige Male an dem Restaurant Gulli vorbei. Es liegt ein paar Kilometer vor Aljezur. Bevor wir uns entschließen einzukehren, belesen wir uns vorher bei Tripadvisor und wir werden nicht enttäuscht. Von der vegetarischen Vorspeise bis zum Nachtisch stimmt einfach alles und ist perfekt aufeinander abgeschmeckt. Beim ersten Lesen in der Karte undenkbar, doch eine wahre Gaumenfreude ist die Pizza Gulli. Es ist eine Pizza der anderen Art, ohne Tomatensoße, dafür mit Erdbeeren, Rucola, Schafs- und Ziegenkäse, Walnüssen und einem Hauch von Limette. Einfach herrlich!

Das Problem beim Nachtisch, wir können uns nicht entscheiden. Darum bestellen wir einfach etwas mehr: Schokokuchen mit Vanillesoße, Profiterols mit Limette und Mango-Maracuja-Tiramisu. Alle drei sind sehr leckere und geschmackvoll angerichtete Desserts, die wir jederzeit wieder nehmen würden.

Unser Tipp: Lehnt den Starter mit Brot, Oliven und Aufstrich ab. Das kostet nur unnötig und lohnt sich nicht wirklich.

Hier die Adresse für experimentierfreudige und Süßmäuler: Gulli Bistro, EN 120 Sítio Sta. Susana, 8670-153 Aljezur

Portugal ist auch ein Paradies für Vegetarier. Denn wer in Aljezur hoch hinaus auf das „Castelo de Aljezur“ möchte, kann sich vorher oder hinterher im MÓ Veggie Bistro stärken. Das Ambiente ist alternativ und originell eingerichtet mit alten Möbeln, die aufgearbeitet wurden. Die Küche hat sich auf vegetarische Speisen spezialisiert. Es gibt immer wieder wechselnde, saisonale und regionale Gerichte für sehr moderate Preise. Angezogen von einem Hostel in der gleichen Straße, ist das Publikum jung und alternativ angehaucht. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite haben die Bistrobetreiber sogar noch weitere Räume in denen Yogakurse und Workshops stattfinden.

Unser Tipp: Die Burger sind sehr groß. Damit es keine Schweinerei gibt, lieber mit Messer und Gabel essen.

Hier die Adresse für Fans der vegetarischen Küche: MÓ Veggie Bistro, R. João Dias Mendes 13, 8670-086 Aljezur

 

Ein Wohntraum – zentral und trotzdem ruhig

Mitten im Grünen, genauer in Monte Ruivo zwischen der N120 und der N268, liegt das Anwesen von Pedro – Monte do Pardal. Wir sind über AirBnB auf diese Unterkunft gekommen. Uns war klar, dass wir nicht an der touristisch erschlossenen Südküste wohnen wollen, sondern lieber im ursprünglichen Portugal. Gleichzeitig war es uns wichtig, alles gut erreichen zu können. Genau das bietet das Anwesen Monte do Pardal. Es liegt fernab vom Trubel, aber dennoch zentral auf einer Anhöhe und ist über eine unbefestigte Straße erreichbar. Ausreichend Parkplätze befinden sich vor dem großen Holztor, das zum Innenhof führt. Der Innenhof ist ein Ruheort, an dem man sofort entspannt, geschmückt mit Findlingen, alten Olivenbäumen und einem Brunnen. Von hier aus erreichst Du die drei sehr geschmackvoll eingerichteten Wohnungen. Wir beziehen die vorderste Wohnung, die Casa Ali. Durch die Eingangstür geht es direkt in das große und geräumige Schlafzimmer mit einem großen Einbauschrank, der sehr viel Stauraum und auch Kleiderbügeln bereithält. Weiter geht es in den Wohn- und Kochbereich, in dem auch gegessen wird. Hier dominiert ein großer Küchenblock aus Beton, der auch als Esstisch dient. Die Kochzeile ist mit Kühlschrank, Herd und Backofen ausgestattet. Es gibt Geschirr für vier Personen und ausreichend Besteck, um nicht jeden Tag abspülen zu müssen. Scharfe Messer sind ebenso vorhanden.

Die Schlafcouch im Wohnzimmer ist perfekt ausgerichtet, um ins Grüne zu schauen und ein paar Bücher laden zum Schmökern ein. Der Wohnraum ist mit seinen geschmackvollen Details sehr gemütlich und dennoch zurückhaltend gestaltet. Durch eine weitere Türe geht es ins Badezimmer, das aus einem großen Waschtisch mit großzügiger Ablagefläche besteht. Neben der Toilette gibt es, wie für südliche Länder üblich, noch ein Bidet. An der Stirnseite des Badezimmers befindet sich die Badewanne mit einem Fenster darüber. Auf der Südterrasse ist ein großer Tisch und mit Blick auf die Oliven- und Feigenbäume perfekt für ein gemütliches Essen.

Der Hausherr Pedro, ein leidenschaftlicher Surfer, ist immer für einen kurzen Plausch zu haben und hat gute Tipps für die Erkundung der Gegend.

Wir können Monte do Pardal nur empfehlen für alle, die es gerne ruhig mögen und dennoch zentral wohnen wollen. Von hier aus lässt sich die West- und auch Südküste der Algarve bestens erkunden. Die Wohnungen sind alle sehr schick und trotzdem praktisch eingerichtet, und man kann hier gut den Tag verbringen, ohne dass Langeweile aufkommt.

 

 

Strände – von verzichtbar bis traumhaft

In der Kleinstadt Odeceixe, kurz vor der Brücke, liegt der Adegas Beach. Es ist einer der wenigen FKK-Strände, an denen das Nacktbaden definitiv erlauft ist. Parkplätze sind viele vorhanden, was allerdings auch Camper anzieht. Davon treffen wir dort sehr viele. Der FKK-Strand ist über eine Holztreppe zu erreichen. Das Besondere: bei Ebbe erreicht man rechter Hand eine natürliche Höhle.

Die Felsenküste von Cabo de São Vicente liegt in Sagres, das ist der südwestlichste Punkt des europäischen Festlandes. Der Strand ist über die N268 zu erreichen und berühmt für seinen Leuchtturm, der als der lichtstärkste in Europa gilt. Für uns ist der Besuch eine Enttäuschung, denn der Strand ist sehr überlaufen und man kann von dem Leuchtturm nur sehr wenig sehen, beziehungsweise besichtigen. Doch wir werden auf dem Rückweg von Sagres nach Monte Ruivo entschädigt.

Hier liegt der Strand von Bordeira. Es ist der perfekte Sandstrand wie aus dem Bilderbuch. Am besten steuert man gleich den oberen Parkplatz an und genießt erstmal das Landschaftspanorama. Dann geht es über einen Holzsteg über den Felsen zum Strand. Der ist sehr weitläufig und damit verteilen sich die Besucher auch ganz gut, sodass es nicht so voll ist. Je weiter man Richtung Norden läuft, desto menschenleerer wird der Strand. Es gibt eine Natursteinhöhle, die besichtigt werden kann und einen Imbiss ganz in der Nähe sowie ausreichend Mülleimer. Hier ist FKK zwar nicht klar ausgeschildert, aber dennoch toleriert.

 

 

Daniel mit den goldenen Händen

Ein Zufall führt uns zu Daniel Schudt. Der gebürtige Deutsche ist in Vale de Telha bei Aljezur mit seiner Frau ansässig geworden. Bei ihm gönnen wir uns eine entspannende Massage. Das Besondere ist unter anderem die Atemtechnik. Beim Ausatmen durch den Mund entspannt die Muskulatur besonders effektiv. Das Massageöl ist nach einem besonderen Ayurvedischen Rezept hergestellt. Die Grundlage ist Sesamöl, was sehr erdend wirkt und die Kopfaffen schnell zur Ruhe kommen lässt. Daniel hat goldene Hände, ein sehr gutes Gespür für den Körper und massiert mit Leidenschaft. Daniel arbeitet ganzheitlich therapeutisch und schafft dabei Raum für tiefe Entspannung. Neben den wunderbaren Massagen gibt es auch die Möglichkeit, Yogastunden zu besuchen.

Wir haben beide die Massage von Daniel sehr genossen und können ihn wärmstens weiterempfehlen! Schaut mal auf dawncollectiveshala vorbei und lasst euch rechtzeitig einen Termin geben.

Kennst Du die Algarve? Hast Du noch Tipps und Sehenswürdigkeiten, die Du empfehlen kannst?