Wer Mallorca hört, wird sicher zuerst an Ballermann, Massentourismus und Hotelburgen denken. Das ist häufig das Bild der zu Spanien gehörenden Mittelmeerinsel, einem der beliebtesten Urlaubsziele überhaupt. Doch die größte Baleareninsel hat so viel mehr zu bieten. Es ist also Zeit für einen Duftreise auf die Oliven- und Zitrusinsel, denn bei dem milden Klima wachsen die Zitrusfrüchte besonders prächtig.

 

Sóller ist ein sehr authentisches Städtchen auf Mallorca und liegt im Herzen des „Orangentals“ was auch als „Tal des Goldes“ bekannt ist. Im 19. Jahrhundert wurde Sóller, das von der restlichen Insel durch die Berge abgetrennt war, sehr wohlhabend durch die reichlich vorhandenen Orangen- und Zitronenhaine. Die schmackhaften Früchte wurden am Puerto de Sóller nach Frankreich verschifft. Im Jardí Botánic, der nur wenige Gehminuten von der Stadtmitte an der Straße Richtung Hafen liegt, gibt es viele verschiedene endemische Pflanzen zu bestaunen. Auf jeden Fall ein Besuch wert. Samstags ist Markt in Sóller, ein Tag, an dem die Käufer und Händler den Hauptplatz Plaza Constitución zum Brummen bringen. Wer schon den weiten Weg durch die Tramuntana gemacht hat, sollte im Tal der Orangen auf jeden Fall einen frisch gepressten Orangensaft probiert haben. Denn die vielen Sonnenstunden schenken den Früchten ein volles, süßes, fruchtig-frisches Aroma, das auf der Zunge die Geschmacksknospen zum Bitzeln bringt. Und bei den sommerlich-warmen Temperaturen ist ein schmackhaftes Orangeneis natürlich auch nicht verkehrt.

 

Die unterschiedlichen Zitrusöle

 

Mallorca besitzt ein gemäßigtes subtropisches Klima mit durchschnittlich 7,9 Sonnenstunden am Tag. Das ist für die Zitrusfrüchte, die ursprünglich aus China kommen, perfekt. Es gibt eine Vielzahl an verschiedenen ätherischen Ölen, die aus Zitruspflanzen gewonnen werden können. Sie gehören alle der Pflanzenfamilie der Rautengewächse (Rutaceae) an. Oft wird angenommen, dass alle Zitrusöle gleich aktivierend wirken, doch bei genauer Betrachtung ist klar, dass sie unterschiedliche Wirkungen haben.

 

Aus den kleinen, zarten, weißen Blüten der Orangenpflanzen kann ein sehr kostbares Blütenöl mittels Wasserdampfdestillation gewonnen werden, das unter dem Namen Neroli (Citrus aurantium var. amara) bekannt ist. Somit haben wir ein ätherisches Öl und auch ein Pflanzenwasser (Hydrolat), das wir in der Aromatherapie einsetzen können. Das sehr teure Neroliöl hat einen frischen, lieblichen, süß-blumigen Duft, der schon die Menschen im 17. Jahrhundert faszinierte. Wie bei den Rosen benötigt man jedoch 850 kg Blüten für 1 kg ätherisches Öl – also jede Menge Blütenpower, die in einem Fläschchen steckt. Eine geübte Nase weiß, dass Neroli eine Zutat im bekannten Kölnisch Wasser ist. Das Öl hat auf die Psyche eine sehr stark beruhigende Wirkung und wird daher als „Prüfungs-“ und „Angstöl“ eingesetzt. Auch bei emotionalen Schockzuständen und geistiger Erschöpfung wirkt das Öl stärkend und beruhigend. In der Naturkosmetik hat es vor allem bei Akne, Couperose, Falten und Besenreisern Anwendung gefunden.

 

Zitrusduft für die Psyche

 

Aus den Blättern und Fruchtansätzen der Bitterorange wird eine weitere Kostbarkeit gewonnen: Das Petitgrain bigarade (Citrus aurantium var. amara) enthält sehr viele Ester (50–70 %), dieser Inhaltsstoff ist sehr stark psychisch wirksam, daher ist es in der Psycho-Aromatherapie ein wichtiges Öl. Es wundert nicht, dass der frisch-blumig, grün zitrusartige Duft, der stark ausgleichend wirkt, gerne bei Angstzuständen, Schlafstörungen und Stress eingesetzt wird. Auch in der Parfümerie und Kosmetikindustrie wird der Duft sehr gerne verwendet.

 

Das Orangenöl (Citrus sinensis) ist das weltweit am meisten produzierte ätherische Öl. Hierbei handelt es sich um eine Kaltpressung der Schale, denn dort sitzt das ätherische Öl. Sein süß, frisch-fruchtig, einhüllend warmer Duft ist weit bekannt und findet in den verschiedensten Kosmetika, Parfüms, Reinigungsmitteln und pharmazeutischen Präparaten Verwendung, auch als Geschmacksstoff in der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie. Es wird berichtet, dass in Praxisräumen – dem Wartezimmer und Behandlungsräumen – der Duft des Orangenöls hilft, Angstgefühle zu reduzieren. Mit dem Duft können wir unser Wohlbefinden steigern, denn die beruhigende Wirkung hilft bei Ängsten, Nervosität und Schlafstörungen.

 

Eine weitere Essenz, die im Kölnisch Wasser enthalten ist, ist das frisch, originell grün-fruchtig leicht herb riechende Bergamott-Öl (Citrus aurantium subsp. bergamia) aus Kalabrien in Italien. Bekannt geworden ist das Öl durch den englischen Earl Grey Tea, hier wird schwarzer Tee mit Bergamottöl aromatisiert. Das ätherische Öl wirkt hautregenerierend und wird gerne bei Akne und Abszessen verwendet. Auf der psychischen Ebene wirkt es antidepressiv, angstlösend und leicht sedierend.

 

Bekannt und beliebt – die Zitrone

 

Last but not least noch die frische, spritzige Zitrone (Citrus limon), das konzentrationsfördernde und anregende ätherische Öl. Es ist eine Kopfnote und kommt ebenso wie Bergamotte im Kölnisch Wasser vor. Es besitzt, wie die anderen Zitrusöle (Bergamotte, Grapefruit und Orange) auch, einen hohen Anteil an Monoterpenen, weshalb es nicht sehr lange haltbar ist. Das Zitronenöl wird gerne wegen seiner antiviralen Eigenschaften bei Erkältungszeiten und grippalen Infekten eingesetzt. Zudem wirkt das Öl reinigend und klärend auf die Raumluft, es desinfiziert auch die Atemluft und macht den Kopf frisch und klar.

 

Die Zitrusöle lassen sich gut als Kopfnote in eine Mischung einbringen. Sei es zusammen mit Lavendel fein, oder Orange mit Vanille gemischt. Die Kombination aus Grapefruit und Frangipani ist auch eine stimmige Mischung. Die Zitrusöle sind die Lichtbringer und im westlichen Kulturkreis sehr beliebt. Daher kommen sie bei mir immer in die Duftlampe.

 

 

Orangenrezepte

 

Orangentraum

6 Tropfen Orange
4 Tropfen Zitrone in die Duftlampe geben.

 

Orangebrause

1 Tropfen Orangenzauber von vegaroma
In 1 Liter Sprudelwasser mit Birkenzucker geben für eine frische Limonade

 

Einhüllend-wohliges Bad

5 Tropfen Orange
3 Tropfen Tonka
1 Tropfen Vanille
1 Tropfen Lavendel fein
In 10 g Meersalz geben für einen Badezusatz.
Nach diesem Vollbad ist ein angenehmes Körperöl eine Wohltat.

 

Orangenpeeling

5 Tropfen Orange
1 Tropfen Karottensamen
2 Tropfen Lavendel fein
In 20 g Reismehl geben und damit die Gesichtshaut sanft peelen.
Anschließend mit warmen Wasser abspülen und sich mit einem feinen Rosen-Gesichtsöl verwöhnen.

 

Aftershave-Orangenwasser

2 Tropfen Orange
3 Tropfen Sandelholz
In 100 ml Orangenblütenwasser geben und vor jedem Gebrauch gut schütteln.
Nach dem Rasieren hilft das Sandelholz, die Haut zu regenerieren, das Orangenöl, sie zu beruhigen, und das Neroliwasser bei Hautentzündungen.