Ätherische Öle werden in der professionellen Aromapflege in der Regel nicht unverdünnt auf die Haut aufgetragen. Als Grundlage kommen deshalb häufig fette Pflanzenöle zum Einsatz. Sie lediglich als „Trägeröle“ zu betrachten, greift jedoch zu kurz: Hochwertige Pflanzenöle bringen ihre eigenen Inhaltsstoffe und Eigenschaften mit und sind damit selbst ein wichtiger Bestandteil der Hautpflege.

Einen Grundsatz aus meiner ersten Aromaausbildung habe ich bis heute im Gedächtnis: Auf die Haut sollte möglichst nur kommen, was qualitativ so hochwertig ist, dass wir es auch als Lebensmittel schätzen würden. Jojobaöl war damals für mich der Einstieg in die Welt der pflanzlichen Hautpflege. Streng genommen ist es zwar ein flüssiges Pflanzenwachs, doch ich lernte daran, die Grundlage einer Aromamischung nicht länger als bloßes Verdünnungsmittel zu betrachten.

Besonders spannend finde ich bis heute, dass viele fette Pflanzenöle zwei Welten miteinander verbinden: Wir verwenden sie in unserer Ernährung und können sie zugleich zur Pflege unserer Haut einsetzen. Eines meiner persönlichen Lieblingsöle ist das Walnussöl. Bei meinen Besuchen in der Ölmühle Walz in Oberkirch konnte ich erleben, welchen Einfluss Rohstoff und Herstellung auf die Qualität eines solchen Pflanzenöls haben.

Doch was macht ein hochwertiges Pflanzenöl aus, welche Bedeutung haben seine Fettsäuren für Haut und Körper und warum sind fette Pflanzenöle in der Aromapflege weit mehr als bloße Trägeröle? Darum geht es im dritten Teil unserer Grundlagenserie.

 

Was sind fette Pflanzenöle?

Fette Pflanzenöle werden überwiegend aus Samen, Kernen oder Früchten gewonnen. Chemisch bestehen sie hauptsächlich aus Triglyceriden, also Verbindungen aus Glycerin und verschiedenen Fettsäuren. Anders als ätherische Öle sind sie nicht flüchtig und hinterlassen auf Papier einen dauerhaften Fettfleck.

Welche Eigenschaften ein Pflanzenöl besitzt, hängt wesentlich von seinem Fettsäuremuster und seinen Fettbegleitstoffen ab. Mandel-, Oliven-, Lein- oder Walnussöl unterscheiden sich deshalb deutlich voneinander. Genau diese Unterschiede sind auch für ihre Verwendung in der Hautpflege und Aromapflege von Bedeutung.

Damit vervollständigen die fetten Pflanzenöle neben ätherischen Ölen und Hydrolaten die drei Pflanzenstoffgruppen dieser Grundlagenserie.

 

Grundlagen der Aromakunde

Drei Pflanzenstoffgruppen spielen in der Aromakunde eine zentrale Rolle. Diese Artikelserie stellt sie anhand konkreter Beispiele vor:

Ätherische Öle – Damaszener Rose
Fette Pflanzenöle – Walnussöl
Hydrolate – Hamamelis

 

Pflanzenöle als Träger- und Wirkstofföle

In der Aromapflege werden fette Pflanzenöle häufig als Trägeröle bezeichnet, weil sie ätherische Öle aufnehmen und deren Anwendung auf der Haut ermöglichen. Diese Bezeichnung greift jedoch zu kurz: Pflanzenöle besitzen ein eigenes Fettsäuremuster und unterschiedliche Fettbegleitstoffe und bringen damit selbst Eigenschaften für die Hautpflege mit.

Ihre Auswahl sollte deshalb ebenso bewusst erfolgen wie die des ätherischen Öls. Fettsäuremuster, Hautzustand und Anwendungsziel entscheiden mit darüber, welches Pflanzenöl sich als Grundlage einer aromapflegerischen Mischung eignet.

 

Was steckt in einem fetten Pflanzenöl?

Fette Pflanzenöle bestehen zum größten Teil aus Triglyceriden, in denen verschiedene Fettsäuren gebunden sind. Entscheidend ist dabei weniger eine einzelne Fettsäure als ihr jeweiliges Fettsäuremuster. Genau dieses Muster prägt wesentlich die Eigenschaften eines Pflanzenöls.

Unterschieden werden gesättigte, einfach ungesättigte und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Besonders bekannt sind die essenziellen Fettsäuren Linolsäure (Omega-6) und α-Linolensäure (Omega-3). Der menschliche Körper kann sie nicht selbst herstellen und muss sie über die Nahrung aufnehmen.

Neben den Fettsäuren enthalten naturbelassene Pflanzenöle weitere sogenannte Fettbegleitstoffe, beispielsweise Tocopherole, Phytosterine oder andere sekundäre Pflanzenstoffe. Sie machen mengenmäßig nur einen kleinen Teil des Öls aus, tragen aber zu seinen charakteristischen Eigenschaften und seiner Qualität bei.

 

Warum Fettsäuren für unsere Haut wichtig sind

Die Hautbarriere besteht zu einem wesentlichen Teil aus Lipiden. Sie hilft dabei, Feuchtigkeit in der Haut zu halten und sie gegenüber äußeren Einflüssen abzugrenzen. Genau hier können die Fettsäuren pflanzlicher Öle eine Rolle spielen.

Besonders interessant ist die Linolsäure. Sie ist Bestandteil wichtiger Hautlipide und spielt eine Rolle für die Funktion der Hautbarriere. Untersuchungen zeigen, dass sich Pflanzenöle je nach Verhältnis von Linolsäure und Ölsäure unterschiedlich auf die Hautbarriere auswirken können. Linolsäurereiche Öle werden dabei mit einer günstigeren Barrierefunktion in Verbindung gebracht, während hohe Konzentrationen freier Ölsäure die Hautbarriere beeinträchtigen können (Lin et al., 2018; Vaughn et al., 2018).

Deshalb lässt sich die Eignung eines Pflanzenöls für die Hautpflege nicht allein daran festmachen, ob es „natürlich“ oder kaltgepresst ist. Entscheidend sind auch sein Fettsäuremuster und der jeweilige Hautzustand.

 

Fettsäuren, Ernährung und Psyche

Fette Pflanzenöle verbinden Hautpflege und Ernährung auf besondere Weise. Ihre Fettsäuren erfüllen im Körper zahlreiche Funktionen. Besonders Omega-3-Fettsäuren werden auch im Zusammenhang mit Gehirnfunktion und psychischer Gesundheit erforscht. Eine aktuelle Meta-Analyse randomisierter Studien fand Hinweise auf eine Verringerung depressiver Symptome insbesondere bei EPA-reichen Interventionen. Gleichzeitig zeigen die hohe Heterogenität und mögliche Publikationsverzerrungen, dass die Ergebnisse differenziert betrachtet werden müssen (Kelaiditis et al., 2023).

Walnussöl enthält allerdings nicht EPA oder DHA, sondern die pflanzliche Omega-3-Fettsäure α-Linolensäure (ALA). Ihr Anteil kann je nach Sorte und Herkunft erheblich schwanken. Untersuchungen verschiedener Walnusssorten fanden etwa 7 bis 18 Prozent α-Linolensäure, während Linolsäure den größten Anteil der Fettsäuren ausmachte (Poggetti et al., 2018).

 

Walnussöl für Ernährung und Hautpflege

Walnussöl besitzt einen hohen Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren, insbesondere Linolsäure und α-Linolensäure. Analysen verschiedener Walnusssorten zeigen zugleich, dass sich das Fettsäureprofil abhängig von Sorte und Herkunft unterscheiden kann. Gerade der hohe Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren macht Walnussöl jedoch vergleichsweise oxidationsempfindlich. Frische, Herstellung und sachgerechte Lagerung spielen deshalb eine besondere Rolle (Poggetti et al., 2018).

Für mich ist Walnussöl ein schönes Beispiel für die Doppelrolle fetter Pflanzenöle: hochwertiges Lebensmittel und Pflanzenöl für die Hautpflege zugleich. Diese Verbindung von Genuss, Hautpflege und Qualität konnte ich bei meinen Besuchen in der Ölmühle Walz in Oberkirch unmittelbar erleben.

 

Welches Pflanzenöl passt zu welcher Haut?

Nicht jedes Pflanzenöl eignet sich für jeden Hautzustand gleich gut. Entscheidend sind vor allem Fettsäuremuster, Einziehverhalten und aktueller Zustand der Haut. Ein eher leichtes, linolsäurereiches Öl kann sich beispielsweise ganz anders anfühlen und verhalten als ein stärker ölsäurebetontes oder sehr reichhaltiges Pflanzenöl.

Für die Aromapflege bedeutet das: Die Auswahl sollte sich nicht danach richten, welches Öl gerade verfügbar ist, sondern danach, was die Haut tatsächlich braucht. Trockene, empfindliche, reife oder zu Unreinheiten neigende Haut kann jeweils von unterschiedlichen Pflanzenölen und Mischungen profitieren.

Auch Kombinationen mehrerer Öle können sinnvoll sein. So lassen sich beispielsweise Einziehverhalten, Pflegeintensität und Fettsäureprofil gezielt aufeinander abstimmen. Genau darin liegt eine besondere Stärke professioneller Aromapflege: Nicht ein einzelnes „Universalöl“ steht im Mittelpunkt, sondern eine individuell passende Grundlage.

 

Pflanzenöle: kaltgepresst, nativ oder raffiniert?

Bei fetten Pflanzenölen beginnt Qualität bereits beim Rohstoff und bei der Herstellung. Gewinnungs- und Verarbeitungsverfahren beeinflussen die Zusammensetzung eines Pflanzenöls und können auch einen Teil seiner natürlichen Begleitstoffe verändern. Für die Verwendung auf der Haut lohnt es sich deshalb, neben dem Fettsäuremuster auch die Verarbeitung des jeweiligen Pflanzenöls zu berücksichtigen (Vaughn et al., 2018).

Wie viel Sorgfalt hinter einem hochwertigen Pflanzenöl steckt, konnte ich bei meinen Besuchen in der Ölmühle Walz in Oberkirch selbst erleben. Dort werden traditionelle Stempelpressen bis heute mit Wasserkraft betrieben. Im Gespräch mit Geschäftsführerin Sylvie Mayer habe ich einen besonderen Einblick in Herstellung, Rohstoffauswahl und Qualitätsverständnis bekommen.

Tradition, Wasserkraft und hochwertige Pflanzenöle – im Gespräch mit Sylvie Mayer

Wie viel Handwerk und Sorgfalt hinter einem hochwertigen Pflanzenöl stecken können, habe ich bei meinen Besuchen in der Ölmühle Walz in Oberkirch erlebt. Dort werden bis heute traditionelle Stempelpressen mit Wasserkraft betrieben und unterschiedliche Saaten schonend zu Speiseölen verarbeitet.

Im Gespräch mit Geschäftsführerin Sylvie Mayer geht es um die Geschichte der Ölmühle, die Auswahl der Rohstoffe, das Pressverfahren und die Frage, woran sich die Qualität eines Pflanzenöls erkennen lässt.

 

1. Wie ist die Ölmühle Walz eigentlich entstanden?

Bereits 1832 erhielt Lorenz Welle zusätzlich zu seiner Hanf- und Gerstenverarbeitung das Recht, Öl zu pressen. Zu jener Zeit gab es vier Ölmühlen in Oberkirch, dazu rund 4.000 Kleinölmühlen in Deutschland. Die fortschreitende Industrialisierung reduzierte diese Mühlen bis 1920 um 3.000. Es begann die Errichtung großer, kontinuierlich arbeitender Ölfabriken, die Öl durch Heißpressung und chemische Extraktion gewinnen. So verschwanden die traditionell arbeitenden Ölmühlen bis nach dem 2. Weltkrieg fast vollständig. Doch schon 1911 hatte Erwin Walz die Mühle am westlichen Ortseingang von Oberkirch übernommen. Er erkannte die Notwendigkeit, von holländischen Schlagpressen auf hydraulische Seiherpressen umzustellen. 1919 kaufte er zwei mit einem Volumen von je 60 Litern. 1998 kamen zwei weitere Stempelpressen, Baujahr 1920, hinzu. Heute sind diese vier Pressen in den Produktionsablauf integriert und werden durch Wasserkraft betrieben.

 

2. Und seit wann arbeitest Du mit im Unternehmen?

Bereits unsere Oma hat seit Anfang der 70er Jahre im Haushalt von Familie Walz gearbeitet. Auch unsere Mutter hat ab 1980 im Mühlenladen gearbeitet. So waren wir schon als Kinder oft in und an der Mühle zu finden. Als Schülerin habe ich nachmittags und in den Ferien oft im Mühlenladen ausgeholfen. 1998 haben unsere Eltern die Ölmühle Walz übernommen, und seit 2014 läuft das Mühlrad unter der Regie von meinem Bruder, Jochen Hättig, und mir.

 

3. Was war und ist Deine Motivation, die Firma weiterzuführen?

Die enge und direkte Zusammenarbeit mit vielen Produzenten bereichert unseren Alltag und die Sicht auf das Leben. Ich schätze den regen Austausch, die Netzwerkarbeit und die Möglichkeit, auf viele Dinge direkten Einfluss nehmen zu können. Wir haben viel Spaß daran, hier vielen von unseren Idealen Raum zu geben. Auch der tägliche Kontakt mit Kunden bereitet mir viel Freude. Wir betrachten es als großes Geschenk, so ein altes Traditionsunternehmen weiterführen zu dürfen.

 

4. Wie wählt die Ölmühle Walz ihre Rohstoffe aus?

Wie bereits erwähnt, beziehen wir viele Rohstoffe direkt vom Produzenten und wählen unsere Anbaupartner nach unseren Gesichtspunkten aus. Dazu gehören Landschaftspflege, Nachhaltigkeit und so weiter. Mittlerweile kommen viele Rohstoffe aus dem süddeutschen Raum. Da wären Mohn, Walnüsse, Senf, Haselnüsse, Hanf und Lein zu nennen. Die Weizenkeime kommen aus Deutschland, der Raps aus dem Elsass, Kürbiskerne aus Österreich und Aprikosenkerne aus Italien.

 

5. Wie wird gewährleistet, dass die Qualität stimmt?

Unabhängige Labore überprüfen zusätzlich zu der Bio-Kontrollstelle Lacon die Qualität der Rohstoffe und der Öle.

 

6. Was ist das Besondere an dem Gewinnungsverfahren der Ölmühle Walz?

Ein unterschlächtiges Wasserrad im Mühlbach mit fünf Meter Durchmesser liefert über Transmissionen die Energie für die alten Maschinen und Stempelpressen. Im Kollergang mit seinen riesigen Steinrädern wird das Saatgut zerkleinert. Anschließend wird es auf Körpertemperatur erwärmt, um einerseits den Ölfluss zu ermöglichen, andererseits aber keine Vitamine, Eiweißstoffe oder sonstige Fettbegleitstoffe zu zerstören. Jetzt werden die Metallseiher befüllt und in den hydraulischen Pressen gegen einen feststehenden Stempel gedrückt. Auf die jeweilige Saat abgestimmte Programme steuern die Druckhöhe im Zeitablauf. Bei bis zu 350 bar Druck fließt nun sehr langsam das wertvolle, kaltgepresste Speiseöl aus. Die Verbindung traditioneller handwerklicher Ölpressung mit zeitgemäßer Technik und Nachhaltigkeit ermöglicht eine schonende Ölgewinnung für beste Qualität.

 

7. Was macht den Unterschied zwischen einem nativen und einem raffinierten fetten Öl aus?

Ein natives Öl enthält im Gegensatz zu einem Raffinat die wertvollen essentiellen Fettsäuren, welche der Körper nicht selbst generieren kann, sowie wichtige Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe, sogenannte Flavonoide, und weitere Fettbegleit- und Eiweißstoffe. Es sollte kaltgepresst und nicht behandelt sein.

Ein Raffinat ist ein sehr heiß gepresstes und/oder chemisch extrahiertes Öl, welches nur zum Anbraten verwendet werden sollte.

 

8. Welche Qualitätskriterien muss bei Euch ein fettes Speiseöl erfüllen?

Als erstes ist natürlich die Qualität der Rohware das Entscheidende. Hierfür verwenden wir dieselben Rohstoffe, die auch bei uns im Laden abgepackt werden, also beste Qualität. Keine sogenannte Ölware, die zumeist nur aus Bruch und hohem Schalenanteil besteht. Weiterführend wird bei uns keine Saat über 40 Grad erwärmt, also auch nicht geröstet, und sehr schonend gepresst. Das Ergebnis ist ein geschmacks- und inhaltsreiches Öl.

 

9. Was sind Deine Lieblingsöle bzw. Produkte, die Du selbst im täglichen Leben gebrauchst?

Mit der Übernahme der Ölmühle haben wir das Sortiment im Laden so ausgebaut, dass wir hier eigentlich alles außer Frischware (Obst, Gemüse, Käse, Fleisch, …) anbieten und natürlich selbst unsere besten Kunden sind. An Ölen darf bei mir Senf-, Walnuss-, Oliven- und Leinöl nicht ausgehen, zusätzlich das Erdnussraffinat zum Braten!

 

10. Was machst Du gerne, wenn Du nicht in der Ölmühle arbeitest? Wie entspannst Du und wo erholst Du Dich?

Ich bin ein ausgeprägter Familienmensch, habe selbst vier Kinder und genieße immer die Zeit im Familienkreis. Ich bin eine große Tierfreundin und gerne in der Natur, treibe Sport, lese und liebe Musik und tanzen. Ich genieße gutes Essen und bin häufig am Meer zu finden, egal, ob das die Nordsee um Föhr herum, in der Bretagne oder auch der Atlantik bei Portugal oder Island ist.

 

11. Gibt es noch etwas, was Du meinen Leser:innen mit auf den Weg geben möchtest?

Wir bieten in der Mühle viele Führungen an und dabei versuche ich immer, die Menschen zu ermutigen, beim Einkauf und Konsum von Lebensmitteln Fragen zu stellen und genau hinzusehen. Sich Gedanken darüber zu machen, wie viel Zeit und Arbeit bei der Herstellung von Lebensmitteln notwendig ist und was wir bereit sind, dafür zu bezahlen. Wir sind zwar nur ein kleines Rädchen, trotz allem entscheidet letztendlich der Kunde, welche Produkte im Regal stehen.

Und für mich gilt auch der Satz: Du bist, was Du isst!

 

 

Redaktioneller Hinweis: Raffinierte Pflanzenöle enthalten weiterhin Fettsäuren, darunter je nach Ausgangsöl auch essenzielle Fettsäuren wie Linolsäure oder α-Linolensäure. Durch die Raffination können jedoch natürliche Fettbegleitstoffe wie Tocopherole, Phytosterine, Polyphenole oder Carotinoide teilweise reduziert werden. Das Ausmaß hängt vom jeweiligen Öl und den Verarbeitungsschritten ab (Wu et al., 2019; Gharby, 2022; Chew et al., 2022).

Daraus lässt sich nicht pauschal ableiten, dass raffinierte Pflanzenöle minderwertig oder gesundheitlich ungünstig sind. Raffination kann auch unerwünschte Bestandteile entfernen sowie Stabilität und Haltbarkeit verbessern. Für die Aromapflege bevorzuge ich möglichst schonend gewonnene Pflanzenöle, wenn ihre natürlichen Begleitstoffe für die Auswahl von Bedeutung sind.

Fette Pflanzenöle in der professionellen Aromapflege

Fette Pflanzenöle gehören zur Grundausstattung professioneller Aromapflege. Sie dienen als Grundlage für Mischungen mit ätherischen Ölen, haben aber zugleich einen eigenen Stellenwert für die Hautpflege. Entscheidend sind deshalb nicht allein Verträglichkeit und Konsistenz, sondern auch Fettsäuremuster, Qualität und Hautzustand.

Professionelle Aromapflege bedeutet für mich deshalb, Pflanzenöle ebenso bewusst auszuwählen wie ätherische Öle. Eine gute Mischung beginnt nicht erst mit dem Duft, sondern bereits mit einer passenden und hochwertigen Grundlage. Genau dieses Zusammenspiel ist auch Bestandteil meiner Trainings zur Aromapflege.

 

Fazit – Pflanzenöle für gesunde Haut

Was auf den ersten Blick wie ein gewöhnliches Speiseöl wirkt, ist ein komplexes Pflanzenprodukt, dessen Eigenschaften bereits durch Rohstoff, Fettsäuremuster und Herstellung geprägt werden. Gerade die Einblicke in der Ölmühle Walz haben mir noch einmal gezeigt, wie viel Qualität und handwerkliche Sorgfalt hinter einem guten Pflanzenöl stehen können.

Für die Aromapflege bedeutet das: Fette Pflanzenöle sind weit mehr als eine Grundlage, in die einige Tropfen ätherisches Öl gegeben werden. Sie sind selbst ein wesentlicher Bestandteil der Anwendung und einer hochwertigen Hautpflege. Wer sie bewusst auswählt, berücksichtigt deshalb nicht nur das ätherische Öl, sondern ebenso die Bedürfnisse der Haut und die Qualität der gesamten Mischung.

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Quellen
  1. Chew, S. C., Tan, C. P., Long, K., & Nyam, K. L. (2022). Loss in the intrinsic quality and the antioxidant activity of sunflower (Helianthus annuus) oil during an industrial refining process. Molecules, 27(4), 1233.
  2. Gharby, S. (2022). Refining vegetable oils: Chemical and physical refining. The Scientific World Journal, 2022, 6627013. https://doi.org/10.1155/2022/6627013
  3. Kelaiditis, C. F., Gibson, E. L., & Dyall, S. C. (2023). Effects of long-chain omega-3 polyunsaturated fatty acids on reducing anxiety and/or depression in adults: A systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. Prostaglandins, Leukotrienes and Essential Fatty Acids, 192, 102572. https://doi.org/10.1016/j.plefa.2023.102572
  4. Lin, T.-K., Zhong, L., & Santiago, J. L. (2018). Anti-inflammatory and skin barrier repair effects of topical application of some plant oils. International Journal of Molecular Sciences, 19(1), 70. https://doi.org/10.3390/ijms19010070
  5. Poggetti, L., Ferfuia, C., Chiabà, C., Testolin, R., & Baldini, M. (2018). Kernel oil content and oil composition in walnut (Juglans regia) accessions from north-eastern Italy. Journal of the Science of Food and Agriculture, 98(3), 955–962. https://doi.org/10.1002/jsfa.8542
  6. Vaughn, A. R., Clark, A. K., Sivamani, R. K., & Shi, V. Y. (2018). Natural oils for skin-barrier repair: Ancient compounds now backed by modern science. American Journal of Clinical Dermatology, 19(1), 103–117. https://doi.org/10.1007/s40257-017-0301-1
  7. Wu, Y., Zhou, R., Wang, Z., Wang, B., Yang, Y., Ju, X., & He, R. (2019). The effect of refining process on the physicochemical properties and micronutrients of rapeseed oils. PLOS ONE, 14(3), e0212879. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0212879