Ein Parfüm kann viel mehr sein als ein angenehmer Duft. Manche Menschen tragen über Jahre denselben Duft, andere wählen ihn passend zur Stimmung oder zum Anlass. Und manchmal reicht ein einziger vertrauter Geruch, um uns sofort an einen Menschen oder eine bestimmte Zeit unseres Lebens zu erinnern.
Das Faszinierende für mich: Ein Parfüm wirkt nicht nur nach außen. Düfte können beeinflussen, wie wir uns selbst wahrnehmen und wie andere uns erleben. Sie können mit Erinnerungen verbunden sein, Selbstbewusstsein unterstützen und zu einem Teil unseres persönlichen Ausdrucks werden. Gleichzeitig spielen Kultur, Erwartungen und individuelle Erfahrungen eine wichtige Rolle.
Was macht ein Parfüm eigentlich aus?
Ein Parfüm ist eine gezielt komponierte Mischung verschiedener Duftstoffe. Dabei treffen natürliche Rohstoffe wie ätherische Öle und Pflanzenextrakte auf synthetisch hergestellte Riechstoffe.
Besonders greifbar wurde diese Welt für mich bei meinem Besuch in Grasse. Ich wollte die traditionsreiche Hauptstadt des Parfüms selbst erleben und verstehen, wie aus Pflanzen, Duftstoffen und handwerklichem Wissen ein Parfüm entsteht. Seit mindestens dem 16. Jahrhundert werden dort Duftpflanzen angebaut und verarbeitet. Dieses Wissen zählt seit 2018 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO (UNESCO, 2018).
Mit synthetischen Riechstoffen erweiterten sich Ende des 19. Jahrhunderts die Möglichkeiten der Parfümerie. Ein berühmter Meilenstein war 1921 Chanel N°5, bei dem Ernest Beaux natürliche Rohstoffe mit einem für die damalige Zeit außergewöhnlichen Einsatz synthetischer Aldehyde verband.
Für mich liegt hier auch die Verbindung zur Aromakunde. Ätherische Öle können Bestandteile eines Parfüms sein. In Aromatherapie und Aromapflege steht jedoch ihre gezielte Anwendung im Mittelpunkt. Parfümerie und Aromakunde arbeiten also beide mit Düften, verfolgen aber unterschiedliche Ziele.
Wenn Parfüm auf den eigenen Körper trifft
Dass ein Parfüm bei jedem Menschen etwas anders wirken kann, ist mehr als nur eine Alltagserfahrung. Denn Parfüm überdeckt unseren natürlichen Körpergeruch nicht einfach. Beide können sich zu einem individuellen Geruchseindruck verbinden.
Das zeigte eine Untersuchung von Lenochová et al. (2012). Die Forschenden kombinierten Körpergerüche mit unterschiedlichen Parfüms. Dabei wurden Mischungen mit einem selbst gewählten Parfüm angenehmer bewertet als Kombinationen mit einem zufällig zugeordneten Duft. Eine spätere Studie zeigte zudem, dass Menschen auch mit Parfüm anhand ihres Körpergeruchs unterscheidbar blieben. Bei selbst gewählten Düften blieb die individuelle Geruchsinformation sogar stärker erhalten als bei fremd zugeordneten Parfüms (Allen et al., 2015).
Parfüm ist damit nicht einfach eine duftende Hülle. Erst im Zusammenspiel mit dem Menschen entsteht ein individueller Geruch. Vielleicht erklärt das auch, warum ein Parfüm, das wir an einer anderen Person wunderbar finden, an uns selbst ganz anders wirken kann.
Kann Parfüm selbstbewusster machen?
Parfüm verändert nicht nur unseren Geruch. Es kann auch beeinflussen, wie wir uns selbst und andere wahrnehmen. In einer experimentellen Studie berichteten Männer nach der Verwendung eines parfümierten Körpersprays mehr Selbstvertrauen und fühlten sich attraktiver. Interessanterweise wurden sie anschließend in Videos auch von Frauen attraktiver bewertet, obwohl diese den Duft selbst gar nicht wahrnehmen konnten (Roberts et al., 2009).
Auch die Wirkung auf andere wurde untersucht. Croijmans et al. (2021) fanden, dass Männer mit einem parfümierten Körpergeruch von Frauen als selbstbewusster und attraktiver eingeschätzt wurden. Eine neuere Studie ergänzt diese Ergebnisse: In Gegenwart eines angenehmen Duftes bewerteten Frauen sowohl eigene als auch fremde Gesichter als attraktiver und selbstbewusster als ohne Duft (Davies-Owen et al., 2024).
Ein Parfüm verändert also nicht automatisch unseren Selbstwert. Die Studien zeigen jedoch, dass angenehme Düfte die Selbstwahrnehmung und den Eindruck auf andere beeinflussen können. Vielleicht liegt darin ein Teil ihrer besonderen Wirkung: Ein Duft kann nicht nur ausdrücken, wie wir wahrgenommen werden möchten, sondern auch verändern, wie wir uns selbst erleben.
Parfüm als Ausdruck der Persönlichkeit
Mit einem Parfüm können wir ausdrücken, wie wir uns selbst sehen oder wie wir auf andere wirken möchten. Düfte können elegant, sportlich, sinnlich oder extravagant erscheinen. Dennoch lässt sich aus einem gewählten Parfüm nicht einfach auf die Persönlichkeit eines Menschen schließen. Eine Untersuchung tatsächlicher Parfümkäufe zeigte lediglich schwache Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit und Duftwahl. Für die Vorstellung, dass Menschen ein Parfüm passend zu ihrer idealen Persönlichkeit auswählen, fanden sich keine überzeugenden Hinweise (Janssens & De Pelsmacker, 2009).
Auch die Einteilung in Männer- und Frauendüfte ist nicht so eindeutig, wie sie im Parfümregal erscheint. Zellner et al. (2008) zeigten experimentell, dass bereits die Kennzeichnung eines Unisex-Duftes als „männlich“ oder „weiblich“ die damit verbundenen Assoziationen verändern kann. Welche Düfte wir als männlich, weiblich oder passend zu uns selbst empfinden, wird also auch durch Erwartungen und kulturelle Vorstellungen geprägt.
Parfüm ist deshalb weniger ein Spiegel unserer Persönlichkeit als eine Möglichkeit, sie nach außen zu inszenieren. Genau darin liegt ein Teil seiner Faszination: Wir wählen nicht nur einen Geruch, sondern auch, welche Seite von uns wir damit zeigen möchten.
Wenn Parfüm Erinnerungen weckt
Manchmal genügt ein vertrautes Parfüm und plötzlich ist ein Mensch oder eine längst vergangene Situation wieder präsent. Gerüche sind eng mit Hirnregionen verbunden, die an Emotionen und autobiografischen Erinnerungen beteiligt sind. Entscheidend ist dabei häufig nicht allein der Duft, sondern die persönliche Bedeutung, die wir mit ihm verbinden.
Masaoka et al. (2012) untersuchten genau solche persönlich bedeutsamen Parfüms. Düfte, welche die Teilnehmenden mit positiven autobiografischen Erinnerungen verbanden, lösten nicht nur Erinnerungen und Emotionen aus. Gleichzeitig veränderten sich auch Atmung und Aktivität in Hirnregionen, die mit emotionaler und bildhafter Verarbeitung verbunden sind. Auch Willander und Larsson (2006) zeigten, dass Gerüche besonders frühe autobiografische Erinnerungen hervorrufen können.
So kann ein Parfüm im Laufe unseres Lebens zu einem persönlichen Erinnerungsträger werden. Vielleicht verbinden wir es mit einem Menschen, einer Reise oder einer bestimmten Lebensphase. Jahre später kann bereits derselbe Duft genügen, um einen Teil dieser Erfahrung wieder lebendig werden zu lassen.
Parfüm und PsychoAroma – der Duft macht den Unterschied
Parfümerie und PsychoAroma nutzen beide unsere Fähigkeit, auf Düfte zu reagieren. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch im Ziel. Ein Parfüm wird komponiert, um einen bestimmten Geruchseindruck zu erzeugen. In der Aromakunde kommen dagegen natürliche ätherische Öle zum Einsatz, deren Duft unmittelbar aus den flüchtigen Inhaltsstoffen der jeweiligen Pflanze entsteht.
Auch hier entscheidet jedoch nicht allein die Pflanze darüber, was ein Duft in uns auslöst. Wie wir einen Geruch erleben, hängt unter anderem von persönlichen Erfahrungen, Erinnerungen, Erwartungen und dem jeweiligen Kontext ab. Forschung zur Verarbeitung von Gerüchen und Emotionen zeigt, wie eng diese Faktoren miteinander verbunden sind (Kontaris et al., 2020).
Fazit – Parfüm ist persönlich
Parfüm kann viel mehr als einfach nur gut riechen. Düfte begleiten uns, beeinflussen unsere Wahrnehmung und können zu einem Teil unseres persönlichen Ausdrucks werden. Gerade deshalb finde ich es spannend, Parfüm bewusster wahrzunehmen und einzusetzen.
Dabei gilt für mich auch: Manchmal ist weniger mehr. Unsere Nase passt sich an einen gleichbleibenden Duft an. Dadurch nehmen wir das eigene Parfüm nach einiger Zeit weniger intensiv wahr (Dalton, 2000). Statt immer wieder nachzusprühen, lohnt es sich deshalb, der eigenen Nase nicht vollständig zu vertrauen.
Je mehr ich mich mit dem Riechen und der Wirkung von Düften beschäftige, desto faszinierender finde ich, wie selbstverständlich wir sie im Alltag einsetzen und wie wenig uns ihr Einfluss dabei oft bewusst ist. Parfüm zeigt für mich sehr schön: Düfte wirken nicht nur auf uns – wir können auch bewusster entscheiden, wie wir mit ihnen umgehen.
Düfte verstehen. Emotionen gezielt begleiten.
Entdecken Sie, wie fundiertes Wissen über Riechen, Düfte und ihre Wirkung auf unser Erleben neue Perspektiven für Ihre berufliche Praxis eröffnet und Ihre Kompetenzen in der Arbeit mit Menschen erweitert.
Quellen
- Allen, C., Havlíček, J., & Roberts, S. C. (2015). Effect of fragrance use on discrimination of individual body odor. Frontiers in Psychology, 6, 1115. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2015.01115
- Croijmans, I., Beetsma, D., Aarts, H., Gortemaker, I., & Smeets, M. (2021). The role of fragrance and self-esteem in perception of body odors and impressions of others. PLOS ONE, 16(11), e0258773. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0258773
- Dalton, P. (2000). Psychophysical and behavioral characteristics of olfactory adaptation. Chemical Senses, 25(4), 487–492. https://doi.org/10.1093/chemse/25.4.487
- Davies-Owen, J., Roberts, H., Scott, M., Thomas, A., Sen, S., Sethna, S., Roberts, C., Giesbrecht, T., & Fallon, N. (2024). Beauty is in the nose of the beholder: Fragrance modulates attractiveness, confidence and femininity ratings and neural responses to faces of self and others. Behavioural Brain Research, 465, 114932. https://doi.org/10.1016/j.bbr.2024.114932
- Janssens, W., & De Pelsmacker, P. (2009). Smells like me: Personality and perfume choice. International Journal of Market Research, 51(4), 465–480. https://doi.org/10.2501/S1470785309200682
- Kontaris, I., East, B. S., & Wilson, D. A. (2020). Behavioral and neurobiological convergence of odor, mood and emotion: A review. Frontiers in Behavioral Neuroscience, 14, 35. https://doi.org/10.3389/fnbeh.2020.00035
Weitere Quellen
- Lenochová, P., Vohnoutová, P., Roberts, S. C., Oberzaucher, E., Grammer, K., & Havlíček, J. (2012). Psychology of fragrance use: Perception of individual odor and perfume blends reveals a mechanism for idiosyncratic effects on fragrance choice. PLOS ONE, 7(3), e33810. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0033810
- Masaoka, Y., Sugiyama, H., Katayama, A., Kashiwagi, M., & Homma, I. (2012). Remembering the past with slow breathing associated with activity in the parahippocampus and amygdala. Neuroscience Letters, 521(2), 98–103. https://doi.org/10.1016/j.neulet.2012.05.047
- Roberts, S. C., Little, A. C., Lyndon, A., Roberts, J., Havlíček, J., & Wright, R. L. (2009). Manipulation of body odour alters men’s self-confidence and judgements of their visual attractiveness by women. International Journal of Cosmetic Science, 31(1), 47–54. https://doi.org/10.1111/j.1468-2494.2008.00477.x
- (2018). The skills related to perfume in Pays de Grasse: The cultivation of perfume plants, the knowledge and processing of natural raw materials, and the art of perfume composition. Representative List of the Intangible Cultural Heritage of Humanity.
- Willander, J., & Larsson, M. (2006). Smell your way back to childhood: Autobiographical odor memory. Psychonomic Bulletin & Review, 13(2), 240–244. https://doi.org/10.3758/BF03193837
- Zellner, D. A., McGarry, A., Mattern-McClory, R., & Abreu, D. (2008). Masculinity/femininity of fine fragrances affects color-odor correspondences: A case for cognitions influencing cross-modal correspondences. Chemical Senses, 33(2), 211–222. https://doi.org/10.1093/chemse/bjm081