Ich liebe Kakao und Schokolade. Und wie das mit vielen guten Dingen im Leben ist, bin ich über die Jahre immer wählerischer geworden. Heute esse ich längst nicht mehr jede Schokolade, die mir begegnet. Dafür kann ich eine wirklich gute Schokolade umso mehr genießen.

Mich interessiert dabei längst nicht mehr allein, ob eine Schokolade süß, herb oder cremig schmeckt. Ich möchte wissen, woher der Kakao kommt, wie er verarbeitet wurde und warum sich manche Schokoladen geschmacklich so deutlich von anderen unterscheiden. Aus einem schnellen Griff zur Schokolade ist für mich immer mehr ein bewusstes Genusserlebnis geworden.

Vielleicht fasziniert mich Kakao auch deshalb so sehr, weil hinter einem kleinen Stück Schokolade eine erstaunlich große Geschichte steckt. Eine Geschichte, die in tropischen Wäldern beginnt, lange bevor Kakaobohnen geröstet, gemahlen und schließlich zu Schokolade verarbeitet werden.

Auf meinen Reisen konnte ich Kakao unter anderem in Costa Rica und auf Martinique dort erleben, wo er wächst. Plötzlich steht man vor einem Kakaobaum und sieht diese großen, teilweise kräftig rot, gelb oder grün gefärbten Früchte direkt am Stamm und an den Ästen hängen. Das hat mit der fertigen Tafel Schokolade zunächst erstaunlich wenig gemeinsam.

Und genau dort beginnt unsere Reise.

 

Kakao dort erleben, wo er wächst

Der Kakaobaum (Theobroma cacao) stammt ursprünglich aus dem tropischen Südamerika und wurde schon früh bis nach Mittelamerika verbreitet. Sein Name verrät etwas von seiner besonderen Geschichte: Theobroma bedeutet sinngemäß „Speise der Götter“. Auf meinen Reisen in Costa Rica und auf Martinique konnte ich Kakao dort erleben, wo er wächst. Besonders auffällig sind die großen Früchte, die direkt am Stamm und an älteren Ästen entstehen.

Im Inneren liegen die Kakaosamen, umgeben von hellem Fruchtfleisch. Erst nach der Ernte beginnt der aufwendige Weg zum vertrauten Kakaoaroma: Die Samen werden fermentiert, getrocknet, später geröstet und weiterverarbeitet. Gerade die Fermentation ist entscheidend für die spätere Qualität und Aromatik. Wer diesen Weg einmal gesehen hat, nimmt eine Tafel Schokolade plötzlich ganz anders wahr.

 

Was steckt eigentlich im Kakao?

Kakao enthält eine Vielzahl bioaktiver Substanzen. Besonders bekannt ist Theobromin, ein mit Koffein verwandtes Methylxanthin, das im Kakao in deutlich größeren Mengen vorkommt als Koffein. Hinzu kommen unter anderem Polyphenole und die charakteristische Kakaobutter. Was sagt die Forschung dazu? Mitchell et al. (2011) fanden unterschiedliche Effekte von Theobromin und Koffein auf Stimmung und Kreislauf. Baggott et al. (2013) beobachteten bei üblichen Theobrominmengen dagegen nur geringe Effekte auf die Stimmung.

Auch die beliebte Aussage „Schokolade macht glücklich“ greift wissenschaftlich zu kurz. In einer Studie beobachteten Macht und Dettmer (2006) nach dem Verzehr von Schokolade zwar kurzfristig positivere Stimmung und stärkere Aktivierung. Eine systematische Übersichtsarbeit von Scholey und Owen (2013) zeigt jedoch, dass sich mögliche Stimmungseffekte bislang nicht eindeutig den sensorischen Eigenschaften oder den pharmakologischen Wirkungen einzelner Inhaltsstoffe zuordnen lassen. Wir essen schließlich keine isolierten Moleküle. Wir erleben Schokolade mit unseren Sinnen.

 

Warum wir Schokolade so gerne mögen

Schokolade ist ein ausgesprochen komplexes Sinneserlebnis. Aroma, Süße, Bitterkeit und Textur kommen zusammen, während die Kakaobutter bei ungefähr Körpertemperatur zu schmelzen beginnt. Genau dieses Zusammenspiel macht das typische Mundgefühl einer guten Schokolade aus.

Doch auch unser Gehirn spielt mit. Erwartungen, Erinnerungen und gelernte Erfahrungen beeinflussen, wie wir Schokolade erleben. Eine bestimmte Sorte kann mit Urlaub, Weihnachten oder einem besonderen Moment verbunden sein. Deshalb entsteht Genuss nicht allein durch einzelne Inhaltsstoffe, sondern aus Sinneswahrnehmung, Belohnung, Erfahrung und Situation. Und genau hier wird Schokolade auch für das Emotionsmanagement interessant.

 

Wenn aus Genuss Stressessen wird

Nach einem anstrengenden Tag kann der Wunsch nach Schokolade plötzlich sehr groß werden. Daran ist zunächst nichts problematisch. Spannend ist vielmehr die Frage, welche Funktion die Schokolade in diesem Moment übernimmt: Möchte ich sie bewusst genießen oder versuche ich, Anspannung, Frust oder Erschöpfung möglichst schnell zu verändern?

Genau diese Unterscheidung gehört für mich zur emotionalen Kompetenz. Auch hier liefert die Forschung einen interessanten Hinweis: Oliver et al. (2000) beobachteten, dass Menschen mit ausgeprägtem emotionalem Essverhalten unter akutem Stress häufiger zu süßen und fettreichen Lebensmitteln griffen. Stress führt dabei keineswegs bei allen Menschen automatisch zu mehr Essen. Entscheidend ist vielmehr, welche Funktion Essen individuell übernimmt. Wenn Schokolade regelmäßig unangenehme Emotionen kompensieren soll, wird aus einem Genussmittel zunehmend eine Strategie zur Stressregulation.

 

Schokolade als bewusster Genuss

Je wählerischer ich bei Schokolade geworden bin, desto mehr hat sich auch mein Umgang damit verändert. Ich brauche keine beliebige Tafel und keine große Menge. Viel spannender ist es, eine gute Schokolade bewusst wahrzunehmen: ihr Aroma, die Textur, den ersten Geschmack und die Aromen, die sich langsam entwickeln, wenn sie im Mund schmilzt.

Genau darin steckt für mich Achtsamkeit. Genuss findet nicht nebenbei statt, sondern bekommt Aufmerksamkeit. Das passt sehr gut zu Resilienz und Emotionsmanagement: wahrzunehmen, was mir guttut, was ich gerade brauche und warum ich etwas tue. Dann muss Schokolade weder zum Superfood erklärt noch mit schlechtem Gewissen verbunden werden. Sie darf einfach ein hochwertiges Genussmittel sein.

 

Von Costa Rica und Martinique nach Portugal

Meine persönliche Reise mit dem Kakao endet nicht dort, wo die Früchte wachsen. Mich interessiert genauso, was Menschen später aus diesem besonderen Rohstoff machen. Eine solche Entdeckung machte ich vor einigen Jahren eher zufällig in Portugal.

Wer an die Algarve reist, landet häufig in Faro. Lange kannte ich dort kaum mehr als den Flughafen und die Autovermietung. Bei einem spontanen Abstecher ins Zentrum entdeckten wir damals in den kleinen Gassen Chocolate de Beatriz. Nach einigen ausgesprochen leckeren Pralinen war schnell klar: Wir wollten wissen, wer hinter diesen Schokoladen steckt, und machten uns später auf den Weg zum Hauptsitz nach Odemira. Den damaligen Laden in Faro gibt es inzwischen nicht mehr.

Beatriz stammt ursprünglich aus Argentinien. Auf der Suche nach einem Hobby und mit der Idee, eine Marktlücke zu schließen, begann sie zunächst in der eigenen Küche mit der Herstellung von Schokolade. Dabei beschäftigte sie sich mit den klassischen Varianten: weißer Schokolade, Vollmilchschokolade und dunkler Schokolade. Gerade diese Konzentration auf handwerklich gut gemachte Schokolade gefällt mir bis heute besonders. Es braucht für mich nicht immer ausgefallene Kombinationen, wenn das Grundprodukt wirklich gut ist.

Auch der Besuch in Odemira ist mir in Erinnerung geblieben. Wenn man von Süden über die N120 kommt, sieht man den Schriftzug „Chocolate“ schon von weitem. Hinter der roten Brücke über den Rio Mira geht es hinauf zum kleinen Verkaufsgebäude. Dort kann man sich aus der schön angerichteten Auslage etwas aussuchen und anschließend draußen Platz nehmen. Mit Blick über den Fluss und in die wilde Landschaft bekommt Schokoladengenuss plötzlich sehr viel Ruhe.

 

 

Fazit – Schokolade darf Genuss sein

Kakao hat einen erstaunlichen Weg hinter sich, bevor aus den Samen einer tropischen Frucht das Stück Schokolade vor uns entsteht. Wer diesen Weg einmal gesehen und sich intensiver mit Kakao beschäftigt hat, nimmt vielleicht auch das fertige Produkt anders wahr. Für mich gehört Schokolade deshalb weder auf ein gesundheitliches Podest noch auf eine Verbotsliste.

Gute Schokolade ist ein Genussmittel.

Und Genuss bedeutet für mich, mir bewusst Zeit für etwas zu nehmen, das mir Freude bereitet. Vielleicht weniger, vielleicht ausgewählter und im Laufe der Jahre tatsächlich immer wählerischer. Dafür aber mit umso mehr Aufmerksamkeit für Geschmack, Qualität und das Erlebnis selbst.

Auch darin steckt für mich ein Stück Emotionsmanagement. Resilienz bedeutet schließlich nicht, auf Genuss zu verzichten. Sie bedeutet auch, wahrzunehmen, was wir gerade brauchen und unterscheiden zu können, ob wir etwas bewusst genießen oder damit versuchen, Stress und unangenehme Emotionen zu kompensieren.

Schokolade darf guttun.

Und manchmal darf sie einfach nur verdammt lecker sein.

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Quellen
  1. Andjić, M., Božin, B., Draginić, N., Kočović, A., Jeremić, J. N., Tomović, M., Milojević Šamanović, A., Kladar, N., Čapo, I., Jakovljević, V., & Bradić, J. V. (2021). Formulation and evaluation of Helichrysum italicum essential oil-based topical formulations for wound healing in diabetic rats. Pharmaceuticals, 14(8), 813. https://doi.org/10.3390/ph14080813
  2. Furlan, V., & Bren, U. (2023). Helichrysum italicum: From extraction, distillation, and encapsulation techniques to beneficial health effects. Foods, 12(4), 802. https://doi.org/10.3390/foods12040802
  3. Lemaire, G., Olivero, M., Rouquet, V., Moga, A., Pagnon, A., Cenizo, V., & Portes, P. (2023). Neryl acetate, the major component of Corsican Helichrysum italicum essential oil, mediates its biological activities on skin barrier. PLOS ONE, 18(3), e0268384. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0268384
  4. Wijayadi, L. J., & Kelvin, K. (2022). Effectiveness of Helichrysum italicum essential oil on wound healing. Journal of Food and Pharmaceutical Sciences, 10(2), 681–697. https://doi.org/10.22146/jfps.5324