Therapie und Coaching bedeuten nicht nur Reden und Zuhören. Manchmal entsteht ein wirkungsvoller Veränderungsprozess auch dadurch, dass Menschen Dinge erleben und dadurch tiefer bewusst wahrnehmen können.
Als ich 2015 im Rahmen meiner systemischen Ausbildung erstmals die sogenannten Impact-Techniken kennenlernte, war ich sofort begeistert. Natürlich ist aktives Zuhören und echte Präsenz im Kontakt mit dem Gegenüber essenziell. Ich dufte erleben, wie hilfreich es sein kann, Menschen über kreative, emotionale und multisensorische Methoden nochmal auf einer tieferen Ebene zu erreichen.
Manchmal reicht reines Verstehen allein nicht aus. Manchmal braucht es ein inneres Erleben, um Klarheit zu bekommen, emotionale Prozesse anzustoßen oder überhaupt erst wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen. Genau darin liegt für mich die besondere Stärke von Impact-Techniken.
Besonders durch Ed Jacobs und später Danie Beaulieu wurden diese Techniken seit den 1990er- und frühen 2000er-Jahren zunehmend bekannt und fanden verstärkt Einzug in therapeutische, beratende und coachingorientierte Arbeitsfelder. Häufig wird dabei mit Bildern, Metaphern, Symbolen, Gegenständen oder körpernahen Erfahrungen gearbeitet, um Veränderungsprozesse nicht nur kognitiv, sondern emotional erfahrbar zu machen.
Und genau hier wurde für mich irgendwann eine Sache besonders spannend: Der Einsatz von Düften.
Denn obwohl viele Impact-Techniken bereits multisensorisch arbeiten, bleibt unser Riechsinn häufig erstaunlich unbeachtet. Dabei besitzt gerade dieser Sinn eine enorme Besonderheit.
Der Riechsinn – unser direktester Zugang zu Emotionen
Wenn wir mit Düften arbeiten, arbeiten wir unmittelbar mit dem olfaktorischen System. Geruchsreize gelangen im Vergleich zu vielen anderen Sinnesreizen nicht zuerst über die typische Filterung des Thalamus, sondern erreichen sehr direkt Bereiche des limbischen Systems. Also genau jene Hirnregionen, die eng mit Emotionen, Erinnerung und Stressregulation verbunden sind.
Das erklärt auch, warum Düfte innerhalb von Sekunden:
- Erinnerungen aktivieren,
- Emotionen hervorrufen,
- somit auch das Wohlbefinden fördern
- oder innere Zustände verändern können.
In meinem Seminaren sage ich deshalb oft: „Ein Duft sagt mehr als tausend Worte.“
Denn genau das erlebe ich immer wieder in der Arbeit mit Menschen. Jede:r Therapeut:in oder Coach kennt vermutlich diese Momente, in denen Worte alleine nicht mehr wirklich greifen. Situationen, in denen wir spüren, dass unser Gegenüber etwas fühlt, aber keinen richtigen Zugang dazu findet.
Genau hier können Düfte wie eine Brücke wirken. Nicht als Zaubermittel. Nicht als Wellness-Gimmick. Sondern als ernstzunehmende, multisensorische Ergänzung innerhalb therapeutischer und beratender Prozesse.
Warum Düfte therapeutische Prozesse intensivieren können
Düfte wirken nicht einfach nur „angenehm“. Ätherische Öle besitzen durch ihre Inhaltsstoffe unterschiedliche psychische Wirkqualitäten und können emotionale Prozesse gezielt unterstützen.
Ätherische Öle können das Arousal beeinflussen und dabei je nach Duftprofil:
- aktivierend,
- beruhigend
- oder ausgleichend wirken.
Darüber hinaus besitzen ätherische Öle spezifischere psychische Wirkungen. So können sie beispielsweise:
- angstlösend,
- emotional aufhellend,
- konzentrationsfördernd,
- stressregulierend
- oder emotional stabilisierend wirken.
Gerade im psychotherapeutischen oder psychosozialen Kontext kann dies enorm wertvoll sein. Düfte können beispielsweise mit:
- Atemübungen,
- Achtsamkeitsübungen,
- Imaginationen,
- Körperwahrnehmung
- oder Ressourcenarbeit kombiniert werden.
Dadurch entsteht eine Form der Arbeit, die Menschen nicht nur zum Nachdenken bringt, sondern ins Erleben.
Besonders spannend finde ich dabei, dass Düfte oftmals einen Zugang zu Erinnerungen und Ressourcen öffnen, die über reine Gespräche manchmal nur schwer erreichbar sind. Angenehme Emotionen lassen sich über Düfte nicht nur aktivieren, sondern teilweise auch gezielt verankern und später wieder abrufen. Genau darin liegt aus meiner Sicht ein enormes Potenzial für Therapie, Coaching und Training.
Eine besondere Erweiterung des Methodenkoffers
Mit natürlichen Düften beruflich zu arbeiten, ist weit mehr als ein sinnliches Erlebnis. Für mich sind Düfte eine besondere Erweiterung des therapeutischen und coachingorientierten Methodenkoffers.
Sie können:
- emotionale Prozesse vertiefen,
- Ressourcen stärken,
- Sicherheit vermitteln,
- Stress reduzieren,
- die Konzentration fördern
- und Menschen helfen, schneller in einen regulierteren Zustand zu kommen.
Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen dauerhaft unter Stress, innerer Unruhe oder emotionaler Überlastung leiden, halte ich diesen multisensorischen Ansatz für sinnvoll und vor allem wirksam. Manchmal braucht Veränderung nicht noch mehr Worte, sondern einen Zugang, der tiefer geht.