In unserer Gesellschaft, die mentale und emotionale Höchstleistungen von uns verlangt, sowie einer zunehmend dynamischen Arbeitswelt ist Emotionale Intelligenz die essentielle Fähigkeit um nicht nur zu überleben, sondern um vielfältigen Herausforderungen mit klarem Kopf zu meistern und auch Krisen leichter bewältigen zu können.

Warum ist emotionale Intelligenz (EQ) – ein Begriff den Daniel Goleman 1995 populär gemacht hat – so entscheidend? Diese Wortschöpfung war rhetorisch brillant – aber was genau ist denn damit gemeint?

 

Die Rolle der Emotionen in unserem Leben

Emotionen sind ein essenzieller Teil unseres Lebens – sie machen es bunt und lebenswert. Sie lassen uns vor Freude lachen, in der Trauer weinen oder vor Wut schreien. Sie sind unser innerer Antrieb, führen uns zueinander oder lassen uns aus Angst erstarren. Das Wort Emotionen kommt von lateinisch „motio“, was Bewegung heißt. Dies drückt aus, wie Emotionen in uns normalerweise wirken: Denn gesunde Emotionen kommen wie Wellen, durchfluten den Körper, und das Erleben ebbt wieder ab. Unsere Emotionen beeinflussen unser Handeln, unsere Gesundheit und unsere Entscheidungen. Das spannende dabei ist obwohl Emotionen nur kurz andauern, beeinflussen sie sehr stark unsere alltäglichen Entscheidungen und auch unsere Handlungen (Andrade & Ariely, 2009). Oftmals werden unsere Emotionen leider in positive und negative Emotionen unterteilt. Eine Studie konnte zeigen: Betrachten wir Emotionen als negativ, so sinkt das Wohlbefinden, und Depressionen ebenso wie Angststörungen treten häufiger auf (Ford & Gross, 2018). Gesünder wäre für uns, wenn wir sie in angenehme und unangenehme Emotionen unterscheiden würden. Jedem ist klar, dass sich Trauer und Scham im Erleben unangenehm anfühlen und jeder gerne dauerhaft die Schmetterlinge im Bauch hätte vom frisch verliebt sein.

 

Das Modell von Daniel Goleman

Wenn wir lernen, unsere Emotionen zu nutzen, statt gegen sie anzukämpfen, verwandeln wir sie in eine unschätzbare Ressource: für nachhaltigen Erfolg, emotionale Stabilität und ein erfülltes Miteinander.

Daniel Goleman hat mit seinem Modell der Emotionalen Intelligenz eine klare Struktur geschaffen, die zeigt, welche Fähigkeiten es braucht, um Emotionen nicht nur zu verstehen – sondern sie gezielt als Stärke einzusetzen:

 

1. Wahrnehmen bei sich und anderen (Empathie)

Die Basis liegt im Fühlen und Erkennen. Viele Menschen nehmen ihre Gefühle nur diffus wahr. Ungefähr jeder zehnte Mensch hat laut Studien Schwierigkeiten, seine eigenen Gefühle bewusst wahrzunehmen und in Worte zu fassen (Montreuil & Pedinielli, 1995). Die Forschung zeigt sogar: Wer an Alexithymie leidet – also der eingeschränkten Fähigkeit, Gefühle im Körper zu spüren und sprachlich auszudrücken – hat nicht nur Probleme, Emotionen zu registrieren, sondern auch, sie zu benennen (Wotschack & Klann-Delius, 2013). Doch genau hier beginnt emotionale Intelligenz: im Aufspüren der inneren Signale, im feinen Hinhören auf das, was in uns selbst und im Gegenüber geschieht.

 

2. Emotionen verstehen bedeutet Erkennen und benennen

Emotionen sind wie eine Sprache unseres Körpers – und erst wenn wir sie deuten, verlieren sie ihre Schwere. Eine Meta-Analyse konnte zeigen, dass bereits das Wissen über die Natur psychischer Prozesse das Wohlbefinden stärkt (Donker, Griffiths, Cuijpers, & Christensen, 2009). Wer versteht, wie Angst im Gehirn wirkt, geht mit sich selbst mitfühlender um – und begegnet auch anderen mit mehr Verständnis (Miller, 2016). Emotionen werden so normal wie ein Gähnen, wenn wir müde sind. Mehr noch: Ein ausgeprägtes Wissen über Emotionen fördert nachweislich die Fähigkeit, Empathie zu entwickeln (Hooker, Verosky, Germine, Knight, & D’Esposito, 2008).

 

3. Umgang mit Emotionen

Doch Wahrnehmen und Verstehen allein reichen nicht. Jeder kennt Momente, in denen wir uns vollständig in einer Emotion verlieren: Die Wut steigt auf, das Blut pocht im Kopf, die Stimme überschlägt sich – und wir sind kaum noch wir selbst. Hier entscheidet sich, ob Emotionen uns schwächen – oder ob wir sie lenken und nutzen können. Denn blockierte Gefühle sind nicht harmlos: Schon fünf Minuten unkontrollierter Wut schwächen unser Immunsystem für sechs Stunden (Rein, Atkinson, & McCraty, 1995).

 

3.1. Dysfunktionale Emotionen regulieren

Problematisch wird es, wenn wir das Gefühl haben, unseren Emotionen ausgeliefert zu sein. Menschen, die überzeugt sind, ihre Gefühle nicht steuern zu können, erleben nachweislich mehr Stress und ein geringeres Wohlbefinden (Goldin et al., 2013). In solchen Momenten übernehmen Ärger, Angst oder Traurigkeit die Kontrolle – wir reagieren impulsiv, statt bewusst zu handeln.
Studien zeigen aber auch: Der Glaube an die eigene Einflussmöglichkeit macht den entscheidenden Unterschied. Wer überzeugt ist, dass er seine Emotionen lenken kann, reguliert sie erfolgreicher und fühlt sich gleichzeitig resilienter und selbstwirksamer (Gutentag et al., 2017).

 

3.2. Funktionale Emotionen stärken zur Ressourcenaktivierung

Emotionen sind keine Störfaktoren – sie können sogar unsere stärksten Verbündeten sein.
So zeigt die Forschung: Ehrfurcht senkt nicht nur Entzündungswerte (Stellar et al., 2015), sondern macht uns auch offener für neue Perspektiven (Stancato & Keltner, 2019). Mit gezielten Methoden lassen sich unangenehme Emotionen in Energie verwandeln und angenehme Emotionen gezielt verstärken – ein entscheidender Schlüssel für Gesundheit, Resilienz und Lebensfreude.

 

Fazit – Emotionale Intelligenz als Schlüsselkompetenz

Emotionale Intelligenz ist keine „weiche“ Fähigkeit, sondern ein echter Gamechanger – für Gesundheit, Erfolg und zwischenmenschliche Beziehungen.
Sie entscheidet, ob wir Konflikte eskalieren lassen oder souverän meistern. Ob wir Krisen lähmend erleben oder daran wachsen. Und ob wir Menschen nur oberflächlich begegnen oder wirklich in Verbindung treten.

Genau hier setze ich in meinen Trainings an:
In meinen Trainings erleben Sie, wie Emotionen zur Quelle für Selbstwirksamkeit, Gesundheit und nachhaltigen Erfolg werden – und das Lernen Freude machen darf.

 

Quellen:

  1. Andrade, E. B., & Ariely, D. (2009). The enduring impact of transient emotions on decision making. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 109(1), 1-8. doi:10.1016/j.obhdp.2009.02.003
  2. Donker, T., Griffiths, K. M., Cuijpers, P., & Christensen, H. (2009). Psychoeducation for depression, anxiety and psychological distress: a meta-analysis. BMC Med, 7, 79. doi:10.1186/1741-7015-7-79
  3. Ford, B. Q., & Gross, J. J. (2018). Why Beliefs About Emotion Matter: An Emotion Regulation Perspective. Current Directions in Psychological Science 28(1), doi:10.1177/0963721418806697
  4. Goldin, P., Jazaieri, H., Ziv, M., Dweck, C. S., & Gross, J. J. (2013). Beliefs About Emotion: Links to Emotion Regulation, Well-Being, and Psychological Distress AU – De Castella, Krista. Basic and Applied Social Psychology, 35(6), 497-505. doi:10.1080/01973533.2013.840632
  5. Gutentag, T., Halperin, E., Porat, R., Bigman, Y. E., & Tamir, M. (2017). Successful emotion regulation requires both conviction and skill: beliefs about the controllability of emotions, reappraisal, and regulation success. Cogn Emot, 31(6), 1225-1233. doi:10.1080/02699931.2016.1213704
  6. Hooker, C. I., Verosky, S. C., Germine, L. T., Knight, R. T., & D’Esposito, M. (2008). Mentalizing about emotion and its relationship to empathy. Soc Cogn Affect Neurosci, 3(3), 204-217. doi:10.1093/scan/nsn019
  7. Miller, R. (2016). Neuroeducation: Integrating Brain-Based Psychoeducation into Clinical Practice. Journal of Mental Health Counseling, 38(2), 103-115. doi:10.17744/mehc.38.2.02
  8. Montreuil, M., & Pedinielli, J. L. (1995). Parallel visual processing characteristics in healthy alexithymic subjects. Administration of the Toronto Alexithymia Scale and the parallel visual information test. L’Encephale, 21(5), 589-595.
  9. Rein, G., Atkinson, M., & McCraty, R. (1995). The physiological and psychological effects of compassion and anger. Journal of Advancement in Medicine, 8(2), 87-105.
  10. Stancato, D. M., & Keltner, D. (2019). Awe, ideological conviction, and perceptions of ideological opponents. Emotion, 21(1). doi:10.1037/emo0000665
  11. Stellar, J. E., John-Henderson, N., Anderson, C. L., Gordon, A. M., McNeil, G. D., & Keltner, D. (2015). Positive affect and markers of inflammation: Discrete positive emotions predict lower levels of inflammatory cytokines. Emotion, 15(2), 129.
  12. Wotschack, C., & Klann-Delius, G. (2013). Alexithymia and the conceptualization of emotions: A study of language use and semantic knowledge. Journal of Research in Personality, 47(5), 514-523. doi:https://doi.org/10.1016/j.jrp.2013.01.011