Als ich Coaching kennengelernt habe, hatte es eher einen zweifelhaften, teilweise sogar abwertenden Ruf. Coaching, was soll das überhaupt sein? Wenn überhaupt, dann macht man doch eine Therapie. Und auch die nur, wenn eine psychische Erkrankung vorliegt. So ungefähr war die Haltung, die mir damals häufig begegnete.

Heute ist Coaching deutlich präsenter. Überschaubarer ist es dadurch allerdings nicht geworden. Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigt, findet sich schnell in einem regelrechten Coaching-Urwald wieder. Es gibt unzählige Ansätze, Methoden, Ausbildungen und Angebote. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wer sich mittlerweile alles Coach nennt und woran Menschen überhaupt erkennen können, ob sie ein fundiertes und professionelles Angebot vor sich haben.

Was zeichnet einen guten Coach aus? Was unterscheidet professionelles Coaching von einem netten Gespräch? Und woran lässt sich erkennen, ob Coaching tatsächlich etwas bewirken kann? Genau diese Fragen schweben bis heute über dem Thema und tragen sicherlich dazu bei, dass Coaching teilweise noch immer skeptisch betrachtet wird.

 

Wirkt Coaching wirklich?

Professionelles Coaching kann ein sehr wirksamer Entwicklungsraum sein. Es kann Menschen dabei unterstützen, die eigene Kommunikation zu reflektieren, Konflikte anders zu betrachten und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Und mittlerweile gibt es auch wissenschaftliche Erkenntnisse, die zeigen, dass Coaching mehr sein kann als ein gut vermarktetes Gespräch.

Genau an diesem Punkt wird es spannend: Ist professionelles Coaching tatsächlich wirksam oder fühlt es sich für die Beteiligten lediglich hilfreich an? Mittlerweile gibt es dazu eine zunehmend fundierte wissenschaftliche Basis. Eine Meta-Analyse von 37 randomisiert-kontrollierten Studien zeigt, dass Workplace- und Executive-Coaching im Durchschnitt einen moderaten positiven Effekt auf persönliche und führungsbezogene Entwicklung hat. Gleichzeitig fielen Effekte bei Selbsteinschätzungen größer aus als bei stärker beobachtungsbezogenen Ergebnissen, was für eine differenzierte Bewertung der Coaching-Wirkung spricht (de Haan & Nilsson, 2023).

 

Emotionscoaching schafft neue Handlungsmöglichkeiten

Fachlich kompetent und trotzdem innerlich festgefahren: Auch das erlebe ich im Coaching. Denn Wissen und berufliche Kompetenz allein bedeuten noch nicht, dass wir in herausfordernden Situationen immer so handeln können, wie wir es eigentlich möchten. Wiederkehrende Konflikte, Unsicherheit bei wichtigen Entscheidungen oder starke emotionale Reaktionen können dazu führen, dass wir immer wieder in vertraute Muster geraten.

Genau hier setzt für mich Emotionscoaching an. Es geht darum, solche emotionalen Muster wahrzunehmen und zu verstehen, die eigene Regulation zu verbessern und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Gerade für Führungskräfte kann das bedeuten, auch unter Druck klarer zu kommunizieren, Konflikte bewusster zu gestalten und Entscheidungen weniger aus einer unmittelbaren Stressreaktion heraus zu treffen.

Dabei geht es nicht darum, Emotionen auszuschalten. Im Gegenteil: Emotionen liefern wichtige Informationen darüber, was uns bewegt, belastet oder antreibt. Entscheidend ist, wie wir mit ihnen umgehen. Wer die eigenen emotionalen Reaktionen besser versteht und regulieren kann, gewinnt mehr Freiheit darin, wie er oder sie tatsächlich handeln möchte. Genau diese Verbindung von emotionaler Selbstregulation, Reflexion und neuen Handlungsmöglichkeiten steht auch im Mittelpunkt meines Emotionscoachings.

 

Eine gute Coachingbeziehung zählt

Aus meiner langjährigen beruflichen Erfahrung in Psychosomatik und Psychotherapie war mir eines schon früh bewusst: Veränderung braucht Vertrauen. Ganz gleich, ob wir von Patient:innen, Klient:innen oder Coachees sprechen, Menschen müssen sich sicher genug fühlen, um offen über das sprechen zu können, was sie beschäftigt, verunsichert oder vielleicht auch daran hindert, den nächsten Schritt zu gehen.

Das gilt für mich genauso im Coaching. Methoden, Fachwissen und Erfahrung sind wichtig. Doch Coaching lebt auch von der Beziehung zwischen zwei Menschen. Es braucht Vertrauen, Offenheit und das Gefühl, sich mit den eigenen Gedanken und Emotionen zeigen zu können. Erst dann entsteht ein Raum, in dem ehrliche Reflexion und Entwicklung möglich werden.

Dass diese Beziehung tatsächlich eine wichtige Rolle für den Coaching-Erfolg spielt, zeigt auch die Forschung. Eine Meta-Analyse von 27 Stichproben mit insgesamt 3.563 Coachingprozessen fand einen moderaten und konsistenten Zusammenhang zwischen einer qualitativ guten Arbeitsbeziehung und besseren Coaching-Ergebnissen. Besonders deutlich zeigte sich dieser Zusammenhang bei affektiven und kognitiven Veränderungen (Graßmann et al., 2020).

 

Fazit – Professionelles Coaching macht den Unterschied

Coaching ist für mich kein Allheilmittel und auch nicht jedes Angebot, das sich Coaching nennt, ist automatisch professionell. Gerade in einem unübersichtlichen Markt lohnt es sich deshalb, genau hinzuschauen: Welche Ausbildung und Erfahrung bringt ein Coach mit? Wie gestaltet er oder sie den Coachingprozess? Und entsteht eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung, in der ehrliche Reflexion und Entwicklung überhaupt möglich werden?

Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass professionelles Coaching einen echten Mehrwert bieten kann. Es kann Menschen dabei unterstützen, neue Perspektiven zu entwickeln, festgefahrene Muster zu erkennen und eigene Handlungsmöglichkeiten zu erweitern. Entscheidend ist dabei nicht eine einzelne Methode, sondern ein fundierter Coachingprozess und eine tragfähige Beziehung zwischen Coach und Coachee.

Aus meiner eigenen langjährigen Arbeit mit Menschen weiß ich, wie viel Veränderung möglich wird, wenn Fachwissen, Erfahrung, Vertrauen und die Bereitschaft zur persönlichen Entwicklung zusammenkommen. Genau darin liegt für mich die Stärke guten Coachings: Es nimmt einem Menschen die Veränderung nicht ab, aber es kann einen professionellen Rahmen schaffen, in dem Entwicklung wirklich möglich wird.

Emotionen bewusst verstehen. Potenziale gezielt entfalten.

Ob Sie Ihre emotionale Kompetenz stärken, sich persönlich weiterentwickeln oder Düfte professionell in Coaching, Therapie oder Pflege einsetzen möchten – entdecken Sie das Angebot, das zu Ihrem Anliegen passt.

Quellen

1. De Haan, E., & Nilsson, V. O. (2023). What can we know about the effectiveness of coaching? A meta-analysis based only on randomized controlled trials. Academy of Management Learning & Education, 22(4), 641–661. https://doi.org/10.5465/amle.2022.0107

2. Graßmann, C., Schölmerich, F., & Schermuly, C. C. (2020). The relationship between working alliance and client outcomes in coaching: A meta-analysis. Human Relations, 73(1), 35–58. https://doi.org/10.1177/0018726718819725