Der Duft von Patchouli wird als exotisch, süß, intensiv, krautig-erdig und schwer bezeichnet. Die meisten kennen ihn als den Duft der 68er-Generation, die ihn verschwenderisch nutzten – „anstinken“ gegen das System war die Botschaft. Er wird genauso gern in Parfums der Spitzenklasse als exotische Herz-Basisnote verwendet. Patchuli (Pogostemon cablin) gehört zu den Lippenblütengewächsen (Lamiaceae), einer sehr großen Familie mit vielen Duftpflanzen, die wir in der Aromatherapie verwenden, Lavendel (Lavandula angustifolia) gehört zum Beispiel auch dazu. Als ich diesen Duft das erste Mal gerochen habe, ging ich stark davon aus, dass es sich um eine Wurzel handeln muss, aus der dieses Öl gewonnen wird, so schwer wie er ist. Doch es sind die getrockneten, fermentierten Blätter, die durch die Wasserdampfdestillation ihr Öl freigeben. Patchouli ist zudem eine Besonderheit, denn es ist eines der wenigen Öle, die mit der Zeit reifen und an Intensität und Tiefe im Duftbukett zunehmen. Sehr passend hatte ich auch mein Patchouliöl von PRIMAVERA aus dem Jahr 2014 dabei. Es war doch schon leicht klebrig, aber das hat dem Dufterleben nicht geschadet, sondern es deutlich intensiver und spannender gemacht.

 

Ein hautfreundliches Öl, das auf exotische Reisen mitnimmt

 

Mit Blick auf das Analysezertifikat meines Öls fällt auf, dass es sehr viele Sesquiterpene als Inhaltsstoff hat (40–60 %). Somit gehört es, wie auch Zeder, zu den sehr hautfreundlichen Ölen. Es wirkt hautregenerierend, wundheilend und hautpflegend. Somit ist es gut geeignet bei den typischen Hautproblemen wie Varizen, Hämorrhoiden, lästiger Akne, Ekzemen und Cellulite. Den starken Duft können viele Insekten nicht abhaben, daher ist es gut gegen Läuse, Milben und Motten. Wir haben es in einem „Stinkbombenöl“ verarbeitet, um uns vor den Moskitos dort zu schützen, als wir auf die Vogelinsel „Cousin Island – Special Reserve of Nature Seychelles“ gefahren sind. Es hat wirklich sehr geholfen. Die Rezeptur findest Du weiter unten.

 

Der Anbau von Patchouli auf den Seychellen

 

Ein Anreiz, auf die Seychellen zu fliegen, war auch die Information von Ute Leube, dass es dort Patschouli-Plantagen für die Destillation gegeben haben soll. Doch es war gar nicht so leicht, der Pflanze hier auf die Spur zu kommen. Mitte des 19. Jahrhunderts war Patchouli ein sehr beliebtes Parfüm an den edlen Höfen Europas, das in den folgenden Jahrzehnten auch immer mehr von den Bürgerinnen genutzt wurde. Während des Zweiten Weltkrieges machten die Seychellen einen großen Gewinn mit Patchouli, weil Indonesien und Malaysia den Anbau einstellten. Als sie nach dem Krieg jedoch die Pflanze wieder in riesigen Plantagen anbauten, lohnte es sich für die Seychellen nicht mehr und die kleinen Plantagen mussten schließen. Hier erinnert kaum mehr etwas an die Anbauzeit, kaum ein Seychellois weiß noch etwas darüber, geschweige denn kennt er die Pflanze. Erst im Praslin Museum konnte uns der Betreiber, der auch ein Medizinmann war, mehr erzählen.

 

Entspannung für die Psyche – Blick auf eine Studie

 

In der Fachliteratur von Eliane Zimmermann habe ich eine japanische Studie gefunden. Dort hat man herausgefunden, dass die Inhalation von Patchouli die Aktivität des sympathischen Nervensystems von gesunden Erwachsenen um 40 % reduziert. Somit hat der Duft eine entspannende und beruhigende Wirkung. Natürlich noch ein Grund mehr, mit diesem und weiteren Ölen, die wir dabei hatten, eine paar Rezepte auszuprobieren. Du bekommst weiter unten unser bestes Rezept, das wir erprobt haben, zum Selbermachen. Auf die Psyche wirkt das Öl beruhigend, sanft stärkend und stark aufrichtend und kann sehr gut bei Unruhe, Ängsten, Stress und auch Schlafstörungen verwendet werden.

 

Hier folgen nun unsere beiden besten Rezepte,

die wir auf den Seychellen genutzt haben:

 

Exotische Träume – Gesichtsöl

50 ml Aloe Vera Öl
2 Tropfen Patchouli
2 Tropfen Vanille
2 Tropfen Ylang-Ylang komplett

Die ätherischen Öle in das fette Öl mischen und damit nach dem Duschen, wenn die Haut noch klamm ist, den Körper und vor allem das Gesicht einölen und einziehen lassen. Unsere Rezeptur eignete sich auch für die sonnenverwöhnte Haut, als After-Sun Mischung.

 

„Stinkbombenöl“ – Konzentrat

In ein 10-ml-Leerflächschen kommen:

2 ml Patchouli
2 ml Zeder
1 ml Citronella
1 ml Rosengeranie
1 ml Lavendel fein
1 ml Lemongrass

Diese Mischung ist enorm intensiv vom Duft! Wir haben sie uns auf die mit einem Rosenhydrolat angefeuchtete Haut mit etwas Jojobaöl aufgetragen, nachdem wir auf der moskitoreichen Insel Cousin an Land gegangen sind.